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Beziehungsmodell 3.0 – Polyamorie

Seit Menschengedenken gilt die emotionale Bindung an einen einzigen Partner in vielen Kulturen als erstrebenswertes Ziel. Und bis heute steht die Ein-Ehe in zahlreichen Ländern der Welt unter besonderem rechtlichen Schutz. Doch seit einigen Jahren drängt eine neue Beziehungsform ins Licht der Öffentlichkeit: die so genannte Polyamorie. Wir erklären Ihnen in unserem Erotik Lexikon, worum es dabei geht.

Mann wird von zwei Frauen links und rechts auf die Wange geküsst

Inhalt

Wie bitte, was? Der Begriff Polyamorie
Die also auch? Bekannte Vertreter
Kein Geheimnis: Der Reiz der Viel-Liebe
Wer macht denn sowas? Häufigkeit und Verteilung
Drei, zwei, eins - meins: Die Formen der Polyamorie
Kontakte leicht gemacht

Wie bitte, was? Der Begriff Polyamorie

Der Begriff "Polyamorie" bezeichnet eine Variante zwischenmenschlicher Bindung, die sich salopp mit "Viel-Liebe" übersetzen lässt. Das klingt zunächst ebenso sperrig und künstlich wie das Wort selbst - was kein Wunder ist, denn es vereint sowohl kulturelle als auch sprachliche Eigenheiten: Der Ausdruck "Polyamorie" wurde im englischen Sprachraum geprägt und verbindet das griechische Numeral "polýs" (=mehrere) mit dem lateinischen Verb "amare" (=lieben). Grob definiert verbergen sich dahinter das Bedürfnis und die Fähigkeit, mehrere Personen gleichzeitig zu begehren, zu lieben und zu achten - und zwar auf geistiger und emotionaler Ebene, ebenso wie auf sexuellem Gebiet. Mit der ähnlich anmutenden "freien Liebe" der wilden 1960er Jahre oder der in einigen Religionen erlaubten Viel-Ehe hat Polyamorie jedoch nur wenig gemeinsam. Im Unterschied zu den beiden genannten Beziehungsmodellen sind "vielliebende" Partner absolut gleichberechtigt. Das bedeutet, dass sie mit den anderen Verbindungen, die ihre Partner eingehen, einverstanden sind und häufig selbst mehrfach liiert sind. Die Basis von polyamoren Verbindungen bilden Offenheit, Akzeptanz und der Wunsch nach langfristigem Bestand. Mit anderen Worten: Polyamorie hat nichts mit unverbindlichen Beziehungen, Fremdgehen und Seitensprünge oder ständig wechselnden Konstellationen zu tun. Vielmehr herrschen in polyamor geführten Beziehungen Einigkeit, Verständnis und ein hohes Maß an Kommunikation vor.

Mann bietet zwei Frauen jeweils ein Geschenk an

Die also auch? Bekannte Vertreter

Obgleich der Begriff "Polyamorie" erst im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts aufkam, ist die ihm zugrunde liegende Beziehungsform bei weitem nicht neu. Die Suche bzw. das Finden von Beispielen für polyamor lebende Paare oder Einzelpersonen gestaltet sich dennoch schwierig. Zum einen, weil das Ausleben von Polyamorie aus gesellschaftlichen, moralischen und religiösen Gründen bisher problematisch war; zum anderen, weil eine Beziehung nur dann als polyamor gilt, wenn alle daran Beteiligten mit der Konstellation einverstanden sind. Still geduldete Nebenbuhlerinnen oder sitzengelassene Ehemänner zählen nicht zu dieser Verbindung. Einige namhafte Polyamorie Praktizierende und Vertretende aber lassen sich doch benennen. Sie finden sich sowohl unter historischen Persönlichkeiten wie unter den aktuellen Stars der Showbranche: Das weltweit wohl bekannteste polyamor lebende Paar waren die französische Schriftstellerin Simone-Lucie-Ernestine-Marie Bertrand de Beauvoir oder kurz Sinome de Beauvoir und ihr Landsmann, der Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Charles Aymard Sartre, besser unter Jean-Paul Satre bekannt. Beide unterhielten eine gleichberechtigte Beziehung zu der gemeinsamen Schülerin Olga Kosakiewicz. Als ebenfalls polyamor wird das Verhältnis von Eugen Berthold Friedrich "Bert" Brecht zu den Frauen Rosa Maria Amann, Paula "Bi" Banholzer und Helene Weigel gewertet. Weitere bekannte Anhänger der Polyamorie waren der Dichter Rainer Maria Rilke, der Maler Gustav Klimt und die Schriftstellerin Virginia Woolf. Unter den noch lebenden Stars gilt die britische Schauspielerin Katherine Matilda "Tilda" Swinton als vorbildhaftes Beispiel für Polyamorie - gleichwohl sie ihre Verhältnisse zu John Byrne und Sandro Kopp als voneinander losgelöst darstellt. Auch der französische Genießer, Starkoch und Autor Paul Bocuse lebt polyamor: Er ist seit 1946 mit Raymonde verheiratet, unterhält seit rund 50 Jahren ein Verhältnis zur Mutter seines Sohnes und liebt seit 35 Jahren noch eine dritte Frau. Deutschland hat mit dem Erfolgs-Regisseur Dieter Wedel einen prominenten Vertreter der Polyamorie zu bieten. Seine diesbezüglichen Verbindungen hielten mehr als 1,5 Jahrzehnte und endeten lediglich durch räumliche Trennung.

Kein Geheimnis: Der Reiz der Viel-Liebe

Was aber reizt Menschen, sich auf Beziehungen zu gleich mehreren Partnern einzulassen bzw. eine Verbindung zu polyamor veranlagten Personen aufzubauen? Psychologen und Soziologen werten die zunehmende Verbreitung und Akzeptanz von Polyamorie als Ausdruck eines gewandelten Gesellschaftsbildes: Sie beschreiben monogame Liebe als nicht mehr zeitgemäß, da veränderte Anforderungen an die individuelle Selbstverwirklichung auch eine Veränderung des Beziehungsmodells verlangen. Während der Lebenslauf in früheren Formen des Zusammenlebens gesellschaftlich sehr vorherbestimmt war, wird er heute zunehmend von individuellen Erfahrungen und Selbstbestimmung geprägt. Polyamorie bedient genau jene Diskrepanz, die sich zwischen Sicherheitsbedürfnis und Abenteuerlust auftut. Ein Mensch, der sich an einem bestimmten Punkt seines Lebens für Ehefrau/ Ehemann, Kinder und Familie entschieden hat, muss deswegen nicht auf Lebenszeit nur an einen Partner gebunden sein. Frau in der Mitte wird von zwei Männern umarmt Voraussetzung für das Ausleben polyamorer Beziehungen ist jedoch absolute Offenheit - auch für die Bedenken und negativen Emotionen, welche die Beteiligten einer solchen Verbindung äußern. Hierin nämlich zeigt sich der Unterschied zu anderen Beziehungsmodellen mit mehreren Personen: Polyamorie nimmt die Bedürfnisse aller Eingebundenen ernst; sie erweist jedem bzw. jeder Einzelnen genau die gleiche Achtung und Aufmerksamkeit, die eine monogame Beziehung mit sich bringt - oder mit sich bringen sollte. Gerade letzteres aber ist in klassischen Beziehungen oft nicht gegeben oder geht über den Verlauf mehrerer Jahre verloren. Gründe dafür können eine Veränderung der Persönlichkeit bzw. der Lebensumstände sein oder neue Erkenntnisse, die einer der beiden Partner über sich gewonnen hat. In Verhältnissen, die auf Polyamorie gründen, können unterschiedliche Neigungen oder Interessen einfach besser bedient und ausgelebt werden als mit einem einzigen Partner.

Wer macht denn sowas? Häufigkeit und Verteilung

Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass der Anteil polyamorer Beziehungen in bestimmten Bevölkerungs- bzw. Gesellschaftsschichten höher ist als in anderen. Die mit Abstand größte Gruppe der Menschen, die sich der Polyamomie zugewandt haben, bilden Freischaffende und Menschen in künstlerischen oder sozialen Berufen. Weitere auffallende Kriterien sind die religiöse, spirituelle und politische Ausrichtung. So ist Polyamorie unter Atheisten und Agnostikern wesentlich verbreiteter als unter Angehörigen "klassischer" Glaubensgemeinschaften. Auch Anhänger tantrischer Lehren, Science Fiction- und Fantasy-Fans sowie links und liberal wählende Personen sind überdurchschnittlich häufig polyamor veranlagt. Weniger überraschend - aber dennoch deutlich abgeschlagen - ist der hohe Anteil sexuell "anders" orientierter Mitglieder der Gesellschaft, die sich für Polyamorie entschieden haben. Hierunter fallen nicht nur Homo- und Bisexuelle, sondern auch jene, die sich unter der großen Gruppe BDSM praktizierender Menschen zusammenfassen lassen. Während der Grund für Polyamorie bei Personen, die Männer UND Frauen lieben, noch relativ einleuchtend ist, bedarf er in anderen Fällen einiger Erklärungen bzw. Hintergrundwissen: So geben viele Liebhaber von Fessel- oder Rollenspielen an, neben dem Partner für Alltag und Alltags-Sex einen zusätzlichen Sexpartner für Bondage-, Submission- oder Dominance-Sessions zu haben. Beide Bedürfnisse durch eine Person erfüllt zu finden, scheint schwierig - und ist daher ein klarer Fall für Polyamorie.

Drei, zwei, eins - meins: Die Formen der Polyamorie

Wie sich ein polyamores Beziehungsmodell gestaltet und welchen Regeln es folgt, soll Gegenstand des nachfolgenden Abschnittes sein. Wenngleich nicht alle Betroffenen bzw. Beteiligten genau definierte Begriffe verwenden, existieren in der Polyamorie-Szene einige Vokabeln, die zur Unterscheidung verschiedener Konstellationen dienen:

Mann hält eine Frau im Arm und reicht einer anderen die Hand
  • Der "Primary" (Primärpartner oder -beziehung) ist die- bzw. derjenige, welche/-r die klassische Rolle ausfüllt - also Lebenspartner/-in, Ehefrau bzw. -mann oder sogar Mutter bzw. Vater gemeinsamer Kinder ist. Mit ihr oder ihm teilt eine Person innerhalb einer auf Polyamorie ausgerichteten Beziehung Leben, Finanzen und Entscheidungen, macht Urlaubspläne und Familienbesuche und stellt ihn / sie offiziell als Partner/-in vor.
  • Mit seinem "Secondary" (Sekundärpartner oder -beziehung) geht der oder die Polyamorie- Praktizierende ebenfalls eine langfristige, oft sogar jahre- oder lebenslang bestehende Bindung ein; gewährt ihr aber nicht den gleichen Stellenwert wie dem primären Partner. Das heißt, mit dem / der "Secondary" planen polyamore Personen weder Leben, Kinder, Finanzen noch Familienfeste; verbringen mit ihm / ihr aber Wochenenden oder Urlaube und informieren ihn / sie, wenn im Rahmen gelebter Polyamorie weitere Personen dazukommen sollen.
  • Im Gegensatz zu diesen beiden ist das Verhältnis zum "Tertiary" (Tertiärpartner oder -beziehung) eher kurzfristiger Natur. Mit ihm / ihr ist die polyamore Person per Affäre oder sexuell gefärbter Freundschaft verbunden; bleibt dabei aber unverbindlich.

Aus dieser Unterscheidung ergeben sich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, in denen Polyamorie ausgelebt werden kann:

Ein Paar sitz Arm in Arm am Strand, dabei streichelt der Mann einer zweiten Frau den Rücken
  • Das klassische Modell mit einem Primärpartner, das einer offenen Zweierbeziehung gleicht. Hierbei kann das Paar jeweils eigene, gemeinsame oder auch keine "Secondarys" haben; kommuniziert die Treffen und Erlebnisse aber generell offen.
  • Das Leben mit mehreren gleichberechtigten Primärpartnern, das in eine Mehrfachbeziehung bzw. in der Polyamorie mündet. Hierbei führen die Beteiligten eine Art "Gruppen-Ehe", bei der alle Partner gleichberechtigt sind - aber auch "außereheliche" Sexualkontakte pflegen dürfen. Entsprechend häufig sind tatsächlich Menschen mit bi-oder homosexuellen Neigungen in polyamoren Verbindungen verpartnert.
  • Das Single-Leben ohne Primärpartner, das mehrere Sekundärpartner zulässt. Hierbei pflegen die polyamoren Personen zwar beständige und mitunter auch langfristige Beziehungen, geben aber dem Alleine-Leben eindeutigen Vorrang.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch Mischformen der Polyamorie - ebenso wie polyamore Personen, die sich ungern in eine bestimmte Kategorie einordnen lassen oder ihre Neigung vor der Öffentlichkeit geheim halten. Aus diesem Grund gestaltet sich die Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten häufig schwierig. Dank zahlreicher Internet-Foren und Blogs können sich Betroffene und Interessierte jedoch informieren, austauschen und beraten lassen.

Kontakte leicht gemacht

Beim Besuch auf der Dating Plattform Treffpunkt18 zeigt sich vor allem eins sehr deutlich: Der Wunsch, polyamore Beziehungsmodelle auszuprobieren und zu leben, ist weiter verbreitet als es den äußeren Anschein hat. Viele Mitglieder sind auf der Suche nach etwas frischen Wind in ihrem Leben und ihrer Beziehung. Singles oder Paare, die sich in oben gemachten Ausführungen wiedererkannt haben und ihrer Neigung zu Polyamorie nachgehen möchten, finden auf "Treffpunkt18" zahlreiche Gleichgesinnte. Ausführliche Profilangaben und die Möglichkeit, anonym zu bleiben, erleichtern die Kontaktaufnahme. Darüber hinaus bietet die Plattform auch Gelegenheit für weitere erotische Abenteuer, die sich mit Polyamorie kombinieren oder davon separieren lassen. Auf Treffpunkt18 ist für nahezu jede Vorstellung etwas dabei: Hier treffen sowohl hetero- als auch homo- und bisexuelle Personen den oder die passenden Partner für unverbindliche Treffen mit Gleichgesinnten. Die Spannbreite möglicher Spielarten reicht von BDSM über gezielte One Night Stands bis zu Parkplatzsex oder Verführung in besonderer Wäsche. Oder Sie gönnen sich einfach einen aufregenden Gay Chat, ohne ein reales Treffen im Auge zu haben. Registrieren Sie sich noch heute kostenlos und nutzen Sie die zahlreichen Möglichkeiten auf Treffpunkt18! Erleben Sie ein aufregendes Date oder finden Sie einen Partner für eine längere Verbindung.

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Bildnachweise:
1. Bild © stefanocapra - Fotolia
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