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Warum nur einen lieben? – Eine Buchvorstellung

Frau in Reizwäsche lockt mit Finger

Der autobiografische Roman von Kerstin Scholz bewegt derzeit die Gemüter. In "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann? - Bekenntnisse einer Nymphomanin" erzählt die Autorin offen von ihrer Sexsucht und den erotischen Erlebnissen mit unzähligen Männern. Ob man bei so viel Sex auch erotische Literatur erwarten kann und was Sie sonst über dieses Buch wissen sollten, erfahren Sie hier.

Eine ehrliche, mutige Frau

"Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" ist im April 2015 im riva-Verlag München erschienen. Die Autorin, Kerstin Scholz ist Mitte 40, Kosmetikerin und Fotomodell. Sie zieht die Blicke der Männer auf sich. Ihre schlanke Figur mit den wohlgeformten Brüsten, ihr langes schwarzes Haar und ihr Stil wecken männliches Begehren. Kerstin organisiert sich mehrere Sex-Dates pro Woche. Die Männer, die sie trifft, sind meistens andere. Nach dem Motto: "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" Von diesen Treffen und ihrem Leben erzählt die Autorin in ihrem Buch. Kerstin Scholz gibt ehrlich zu, Nymphomanin zu sein.Ihr Buch hat Scholz unter ihrem realen Namen veröffentlicht. Nachbarn, Kunden und Verwandte erkennen sie und wissen jetzt von ihrem ausgeprägten Liebesleben. Das scheint einerseits mutig, andererseits logisch. Sexsucht ist eine Krankheit. Niemand hat sie sich ausgesucht. Wie andere, gesellschaftlich anerkanntere Krankheiten, ist sie plötzlich einfach da, die Nymphomanie. Die Autorin spricht darüber ebenso offen, wie andere Frauen über Krebs, Migräne oder Depression. Ihre selbstverordnete Medizin heißt Sex. Mit "Warum nur einen lieben, wenn man alle haben kann?", räumt Kerstin Scholz auf mit gängigen Vorurteilen. Nymphomanin wird häufig gleichgesetzt mit "billigem Flittchen".Frau in Reizwäsche lockt mit FingerMonogamie ist gesellschaftlich anerkannt. Wer in einer festen Beziehung lebt, gilt als anständig. Anderen betroffenen Frauen, die nicht in dieses Konzept passen und sich wie Scholz fragen, warum sie ihr Verlangen nicht stillen sollten, will die Autorin Mut machen, sich nicht zu verstecken, ihrem Verlangen nachzugeben, ihre Leidenschaft auszuleben. Sexsucht geht oft mit einem geringen Selbstvertrauen einher. Sich zu verstecken ist keine Lösung. Bestätigung durch Sex ist eine mögliche Art, damit umzugehen. Therapie eine andere. Aber die kam für die Autorin nie in Frage. Warum? Auch davon erzählt sie in ihrem Buch.

Was erwartet Sie im Buch?

Kerstin Scholz berichtet offen von prickelnden Erlebnissen mit unterschiedlichsten Männern. Wenn Sie eine Aneinanderreihung erotischer oder "pornöser" Geschichten erwarten, werden Sie wahrscheinlich enttäuscht sein. Ganz bewusst ist "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" dem Genre "Biografische Romane" zugeordnet. Die Autorin lässt uns teilhaben an ihren Sehnsüchten, Ängsten und Enttäuschungen, und zwar von Anfang an. Sie sucht nach Gründen, warum sie sich so und nicht anders entwickelte. Wäre sie keine Nymphomanin, wenn sie ein anderes Elternhaus gehabt hätte? Wäre sie heute anders, wenn sie nicht mit ihrer damals besten Freundin Patricia in einer Art Wettbewerb gestanden hätte, wer die meisten Männer abschleppt? Der Leser erfährt, dass Sie weder als Kind noch als Frau erfahren hat, wie es ist, um ihrer selbst willen geliebt zu werden. Zumindest im Unterbewusstsein war stets die Frage vorhanden, warum ausgerechnet sie nicht wert ist, dass jemand sie liebt. Dieses Gefühl von Minderwertigkeit kompensiert sie, indem sie sich Bestätigung auf sexueller Ebene sucht. Eine echte Beziehung hat sie nie geführt. Auch wenn mancher Liebhaber sie häufiger befriedigte und eine gewisse Zeit Teil ihres Lebens war. Kerstin plaudert mit der Leserin, als ob sie mit der besten Freundin auf dem Sofa sitzen würde. Wundern Sie sich also nicht, mit "Du" angesprochen zu werden. Sprache und Wortwahl passen zu diesem persönlichen, angenehmen Plauderton. Im realen Leben der Autorin fehlt so eine verständnisvolle beste Freundin.

Paar beim Liebesspiel

Erotische Literatur oder nicht?

Das Buch ist keine ausschließliche Sammlung erotischer Erzählungen. Dennoch prickelt es in "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" oft ganz gewaltig. Kerstin lässt uns teilhaben an ihrer Entwicklung. Auf der Suche nach neuen Kicks probierte sie fast alle sexuellen Spielarten aus. Die Kapitelübersicht liest sich teilweise wie die eines Sex-Lehrbuches. Da geht es um ihre verrückte SM-Zeit mit Fesseln und Schlagen, um Squirting und um Missgeschicke wie Analfissuren. Daneben wirft das Buch Fragen auf: Zum Beispiel, wie moralisch oder unmoralisch Fremdgehen und Sex für Geld sind. Trotzdem ist „Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?“ auch kein Sexualratgeber. Die Antworten muss jede Leserin für sich allein finden.

Jägerin, nicht Freiwild

"Warum nur einen lieben, wenn ich alle anderen haben kann?" ist die Frage einer attraktiven und aktiven Frau, einer Jägerin. Nichts lässt Kerstins Interesse an einem Mann schneller erkalten, als plumpe Annäherung, direkte Verfügbarkeit. Sie ist die Jägerin, sie wählt aus. Kein billiges Anbieten und Warten, wer darauf anspringt. Sondern gezielte Suche, die im Laufe der Zeit durch Online Portale vereinfacht wurde. Kerstin wendet für die Organisation und Durchführung ihrer Treffen fast ebenso viel Zeit auf, wie für ihren Job. Der Titel des Buches ist zugleich ein Lebensmotto, eine Lebensaufgabe, der Kerstin sich gestellt hat. Das erste "Blinde Date" entwickelte sich aus einem simplen Verbindungsfehler ihres damals neuen Telefons Anfang der neunziger Jahre. Statt ihrer Freundin hatte sie Jörg am Apparat. Was sie mit ihm auf erotischer Ebene erlebte, scheint Maßstäbe gesetzt zu haben. An Jörg mussten sich die folgenden Männer messen lassen, von denen Kerstin manchen unter Enttäuschung verbucht hat.

Frau in Reizwäsche posiert in einem Ledersessel

Für wen ist das Buch eher nichts?

Wer schnell ein paar Seiten erotische oder pornographische Literatur lesen will, um auf Touren zu kommen und sich dabei selbst zu befriedigen, sollte lieber ein anderes Buch wählen. Denn damit würden Sie dem Buch von Kerstin Scholz nicht gerecht werden. Zwar beschreibt die Autorin viele ihrer Sex-Dates auf anschauliche Weise. Beim Lesen werden Sie des Öfteren ein angenehmes Kribbeln zwischen den Beinen spüren oder ein feuchtes Höschen bekommen. Doch "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" will mehr. Der Autorin geht es um Verständnis für Ihre Art, zu leben. Zwischen den Zeilen klingt wiederholt das Bedürfnis nach Rechtfertigung an. Überzeugte Moralisten, die Monogamie als einzig wahre Beziehung ansehen, sollten sich nicht von dem Begriff "Biografischer Roman" zum Kauf dieses Buches verleiten lassen. Sie würden es nach wenigen Seiten kopfschüttelnd beiseitelegen. Frauen, die auf Frauen stehen, werden wahrscheinlich ebenfalls enttäuscht sein. Denn in "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" geht es ausschließlich um sexuelle Abenteuer, die Kerstin mit Männern erlebt hat. An Sex mit Frauen hat sie kein Interesse.

Für wen lohnt sich das Buch?

Haben Sie, liebe Leserin, sich in Kerstins Beschreibung teilweise wiedererkannt? Dann werden Sie sicher Freude an der Lektüre von "Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?" finden. Sie sind nicht allein. Es existiert kein "normal" und "unnormal". Selbst wenn ihr sexueller Appetit noch nicht im pathologischen Bereich liegt. Es gibt Männer und Frauen mit starkem sexuellem Verlangen und Menschen, die mit weniger Sex zufrieden sind. Das Buch kann als Aufruf verstanden werden, zu seinen Bedürfnissen zu stehen, sich Befriedigung zu suchen. Die Möglichkeiten dazu sind heute vielfältiger als zu Kerstins Anfangszeiten.In Online Portalen wie Treffpunkt18 finden Sie Gleichgesinnte, die erotische Abenteuer suchen. Diskret und ohne Verpflichtung. Schauen Sie sich um unter unzähligen Männern und Frauen aller Altersgruppen. Nahezu alle erotischen Vorlieben werden von den zahlreichen Mitgliedern abgedeckt. Ihr aufregendes Sex-Date wartet bereits auf Sie."Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann - Bekenntnisse einer Nymphomanin" ist als E-Book und als Taschenbuch erhältlich. Die Printausgabe hat 240 Seiten. Co-Autor Jonas Lindberg betont, dass Kerstin Scholz während der angenehmen Zusammenarbeit nicht versucht habe, ihn zu verführen.

Ein Buchtipp für alle männlichen Verführer: Wenn Sie auch als Mann beim anderen Geschlecht so erfolgreich sein wollen wie die Autorin Kerstin Scholz, sollten Sie sich die Pickup-Bibel "Lob des Sexismus" vom Autor Lodovico Satana durchlesen. Satana deckt typische Verhaltensmuster von Frauen und Männern auf und erklärt anhand von Beispielen, wie sich männliche Verführer weibliche Eigenheiten zunutze zu machen, um bei attraktiven Frauen zu punkten.

Auch die Autorin Henriette Hell hat ihre Erfahrungen im Bett auf Papier gebracht. Allerdings war sie dafür etwas mehr unterwegs. Auf ihren Reisen rund um die Welt hat sie sich auf viele Männer aus verschiedenen Kulturkreisen eingelassen. Das Resultat kann man in Achtung, ich komme!: In 80 Orgasmen um die Welt nachlesen.

Autorin: Finja Koel

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