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Hält SM-Sex gesund? Neue Fakten aus der BDSM-Forschung

Sadomaso-Sklavin genießt ihre ErdbeereEs verwundert nicht, dass ein befriedigendes und ausgefülltes Sexualleben zum persönlichen Wohlbefinden und damit auch zur mentalen Gesundheit von Menschen beiträgt. Dass verschiedene sexuelle Vorlieben jedoch einen unterschiedlich großen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden haben können, war bislang nicht bekannt. Eine im renommierten "Journal of Sexual Medicine" veröffentlichte Studie aus den Niederlanden konnte jedoch belegen, dass sich ausgerechnet Personen, die BDSM praktizieren, deutlich wohler fühlen als Personen mit anderen sexuellen Vorlieben.Ups, wie kann das sein? Ein Ergebnis, das wohl die wenigstens in dieser Form erwartet hätten. BDSM, das ist doch eine Sexpraktik für alle, die auf normalem Wege keine Lust erleben können und deshalb zu extremeren Praktiken übergegangen sind, oder etwa nicht? Was ist BDSM eigentlich wirklich und warum hat es so eine positive Wirkung auf das persönliche Wohlbefinden und die Gesundheit. Die Ergebnisse dieser Studie sind erstaunlich.

Zwei reife Dominas liebkosen ihren Sexsklaven

BDSM-ler fühlen sich wohl(er)

Die Abkürzung "BDSM" fasst alle sexuellen Praktiken aus den Bereichen "Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism" zusammen. Typische Beispiele für BDSM-Praktiken sind Fesselspiele, spielerische Bestrafung, Lustschmerzen und alles, was mit Dominanz und Unterwerfung zu tun hat. Das Spanking als Spielart ist sehr beliebt. Das Hauen und das Verhauen gehört zu vielen heißen Nächten einfach dazu. Die Mischung aus heißer Erotik und Schmerz verschmelzen beim Spanking besonders intensiv miteinander und erzeugen eine enge Verbundenheit zwischen dem devoten und dem dominanten Partner. Auch Männer, die einen ausgeprägten Drang zum Voyeurismus haben oder die extrem devot sind, finden in der BDSM-Szene ihre Befriedigung. Man bezeichnet Männer, die sich beim Sex, aber auch im Alltag einer Frau komplett unterwerfen, als Cuckold.. Die Männer genießen es zuzusehen, wenn ihre Partnerin Sex mit anderen Männern hat. Dabei kommt er selbst nicht zu Zug, sondern er nimmt die Rolle des Voyeurs an und empfindet auf diese Weise seine sexuelle Befriedigung. Die Frau kann ihren devoten Mann auch dazu zwingen, ihr beim Sex zuzuschauen. In der Medizin hielt sich lange die Vorstellung, dass die Ausübung von BDSM-Praktiken nicht wirklich gesund sein kann, doch offenbar ist es genau andersherum: Das Team von Andreas Wismeijer aus den Niederlanden hat eine Gruppe von 902 BDSM-lern mit einer Kontrollgruppe von 434 Personen verglichen und dabei Erstaunliches herausgefunden. Die Teilnehmer der Studie sollten verschiedene Fragebögen ausfüllen, die unter anderem ihre Persönlichkeitsmerkmale, ihren Bindungsstil und ihr subjektives Wohlbefinden erfassten. Beim Vergleich der beiden Gruppen zeigte sich ein - auch für die Forscher - überraschendes Bild: Entgegen der landläufigen Erwartung waren die BDSM-ler weniger neurotisch und dafür extrovertierter als die Kontrollgruppe.Gefesselter Mann kniet nieder Außerdem zeigten sie sich offener für neue Erfahrungen, waren gewissenhafter und verträglicher als die Teilnehmer, die keinen BDSM praktizieren. Besonders auffällig: Ihr subjektives Wohlbefinden, das Ausdruck der mentalen Gesundheit ist, ist deutlich größer als das ihrer Nicht-BDSM-Kollegen. Mit anderen Worten: Das psychologische Profil der BDSM-ler in der Studie ist gekennzeichnet durch eine ausgeglichene, unabhängige und sehr positive Persönlichkeit sowie ein ausgeprägt subjektives Wohlbefinden im Vergleich zur Kontrollgruppe. Übrigens: Es spielt fast keine Rolle, ob man beim BDSM lieber eine submissive oder eine dominante Position ausübt oder aber je nach Situation dominant oder submissiv ist (Switcher). Dominante Menschen zeigen laut der Studie die größte mentale Gesundheit, gefolgt von den Switchern und den Submissiven, die jedoch immer noch höhere Werte im subjektiven Wohlbefinden aufweisen als Personen, die keinen BDSM praktizieren. Unglaublich, oder?

BDSM ist keine psychische Störung

Die Ergebnisse dieser durchaus Aufsehen erregenden Studie bedeuten nicht automatisch, dass BDSM direkt zu einem größeren Wohlbefinden führt oder dass Personen, die BDSM praktizieren, dadurch extrovertierter werden. Die Forscher um Wismeijer haben hierfür verschiedene Erklärungen. So kann es sein, dass sich BDSM praktizierende Personen ihrer sexuellen Bedürfnisse und Vorlieben bewusster sind und mehr über diese sprechen als andere Personen. Es ist aber auch möglich, dass sie sich mit ihren BDSM-Vorlieben bereits ausgiebig und lange beschäftigt haben und durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema zu einer Akzeptanz ihrer Vorlieben gelangt sind, die sie zu ausgeglicheneren Menschen machen. Dazu passt auch eine australische Studie, bei der über 19.000 Personen befragt wurden. Dabei zeigte sich, dass BDSM-ler beim Sex generell experimentierfreudiger zu sein scheinen und im Vergleich zu Nicht-BDSM-Anhängern mehr sexuelle Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen aufweisen (beispielsweise Oralsex, Analsex, Gruppensex, Telefonsex).BDSM-SpielzeugEgal, welche Erklärung zutrifft, mit diesen Befunden wird allen ewig Gestrigen, die BDSM in die "abnormale" Ecke verweisen und BDSM-ler als psychisch krank bezeichnen, wohl jeder Wind aus den Segeln genommen. Das gilt natürlich auch für medizinische Fachbücher wie das Diagnostische und Statistische Manual für Mentale Störungen (DSM), in dem BDSM noch immer als "unübliche sexuelle Vorliebe" bezeichnet wird. Die Wissenschaftler der Studie selbst ziehen aus den Ergebnissen ihrer Studie ebenfalls die Schlussfolgerung, dass BDSM keineswegs der Ausdruck eines psychopathologischen Prozesses darstellt, sondern auch einfach nur als entspannende Freizeitbeschäftigung betrachtet werden kann.

BDSM für alle?

Junge Domina mit PeitscheHeißt das jetzt, dass gestresste Paare lieber mal BDSM praktizieren sollen anstatt "herkömmlichen" Sex zu genießen? Sollten Singles gezielt einen (Sex-)Partner aus der BDSM-Szene suchen? So einfach ist es natürlich nicht! Ob jemand Spaß an BDSM hat und dadurch auch ein größeres Wohlbefinden erreicht, hängt wohl eher von der Persönlichkeit eines Menschen ab und kann nicht von wissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmt werden. BDSM ist also nichts für jeden Menschen. Wie bei allen sexuellen Spielarten muss eine gewisse Vorliebe vorhanden sein, um mit diesen Praktiken Befriedigung und sexuelle Erfüllung zu erleben.Diese Vorliebe ist jedoch gar nicht so selten: Studien zufolge ist sie bei mindestens 25 Prozent der Bevölkerung vorhanden. Wer diesen Bereich der Sexualität näher kennenlernen und ausprobieren möchte, sollte in vertrauensvoller Atmosphäre einfach mal ausprobieren, was sich gut anfühlt. Besonders beliebt sind Rollenspiele, Fesselspiele oder auch das Ausprobieren von Sexspielzeug. Empfehlenswert für Anfänger sind hier insbesondere Handfesseln, Tantra Federn und eine Augenbinde. Mit etwas mehr Erfahrung (oder Mut) gehört auch ein Paddel, eine Peitsche oder Gerte, ein Bondage-Band und/oder Klemmen zum lustvollen Equipment.

Lust auf ein (S)Experiment?

Erlaubt ist doch bekanntlich, was beiden gefällt. Was spricht dagegen, es einfach einmal auszuprobieren? Vielleicht kam diese Sexpraktik bisher nicht infrage, weil sie mit Vorurteilen belastet ist. Und wer will schon "anders" sein? Aber wäre das denn so schlimm? Was im eigenen Schlafzimmer (oder anderswo) geschieht, geht doch niemanden etwas an. Nur die beiden Beteiligten - und diese Zwei sollten dann aber umso so offener und ehrlicher miteinander umgehen. Gemeinsam herauszufinden, was sexuell reizt und antörnt, ist und bleibt ein aufregendes Spiel. Domina mit Peitschea Ist der Reiz da, diese sexuellen Praktiken kennenzulernen und ein Partner vorhanden, dem man vertraut, spricht doch überhaupt nichts dagegen. Wer weiß, was es auf dieser Lustreise alles zu entdecken gibt - und vielleicht ist es genau das, wonach man immer gesucht hat.Ob BDSM praktiziert oder gemeinsam mit dem Partner Sexualität auf andere Weise ausgelebt wird; Hauptsache ist, dass beide daran Spaß haben. Und wenn das der Fall ist, werden sie sich automatisch rundherum wohl fühlen - die ideale Voraussetzung für mentale Gesundheit!

BildnachweiseBild1 ©Ruslan Solntsev - Fotolia.comBild2 ©Scott Griessel - Fotolia.comBild3 ©Andrei vishnyakov - Fotolia.comBild4 ©stockbymh - Fotolia.comBild5 ©Syda Productions - Fotolia.comBild6 ©chettythomas - Fotolia.com

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